H.I.K.-aktuell 02/00 - Winter 2000

 

Erfahrungsbericht

Kinderwunschbehandlung erfolglos beendet

Ich schreibe heute in eigener Sache, um vielleicht denjenigen etwas Mut zu machen, bei denen sich der Wunsch nach einem Kind noch immer nicht erfüllt hat und die sich mit dem Gedanken auseinandersetzen: Was kommt danach, wenn wir nicht zum Ziel unserer Wünsche kommen?

Ich heiße Martina und bin 32 Jahre alt. Mein Mann (33 Jahre) und ich versuchen nun seit 1992 ein eigenes Kind zu bekommen. Mit vielen Schwierigkeiten und vielen leidvollen Erfahrungen. Diese möchte ich hier nicht im Einzelnen aufzählen, da jeder von uns jede Menge davon selber durchgemacht hat.

Aber eine Sache möchte ich kurz erzählen:
Im November 1999 haben wir beide unsere 4. IVF gemacht. Wir haben uns schon während dieser Behandlung mit dem  Gedanken auseinandergesetzt, dass danach für uns beide Schluss ist, da wir selber das Geld nicht aufbringen könnten, die Behandlung selber zu bezahlen und die Krankenkassen bekanntlich nur vier Versuche bezahlt.

Der Versuch lief ganz gut, ich hatte aber kein positives Gefühl. Einen Tag vor dem geplanten Schwangerschaftstest habe ich Blutungen bekommen und nun war eigentlich klar, dass es mal wieder nicht geklappt hatte, aber, Pustekuchen, der Test war positiv und zwar ziemlich eindeutig. Wir waren echt verunsichert, ob wir uns nun freuen dürfen oder nicht. Die ganze Prozedur ging also weiter.

Der nächste Test war nun nicht mehr so eindeutig und der dritte Test zeigte wieder einen ansteigenden HCG (humanes Chorion-Gonadotropin-Schwangerschaftshormon)-Wert an. Nun waren wir natürlich völlig fertig.

Keiner konnte uns sagen, was eigentlich los ist, aber dass es keine gesunde, normale Schwangerschaft sei, das wurde uns dann aus der Praxis mitgeteilt.

Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht, wie viele Tests wir gemacht haben und wie viele Ultraschalluntersuchungen. Ich habe innerhalb von drei Wochen zwei Bauchspiegelungen bei verschiedenen Ärzten hinter mich gebracht - und man hat den Embryo nicht gefunden. Weder im Eilleiter noch sonst wo. Ich war wochenlang unter ärztlicher Beobachtung - und der HCG-Wert stieg immer weiter an.

Das Ende war dann, dass ich mich im Februar diesen Jahres dann einer leichten Chemotherapie unterziehen musste, da die Ärzte sich keinen anderen Rat wussten, um dieses Drama zu beenden. Danach hat es noch ca. vier Wochen gedauert, bis der HCG-Wert wieder normal war und wir davon ausgehen konnten, dass alles o. k. ist.

Mein Mann und ich waren ziemlich down, wir haben uns aber gesagt, dass dieser Versuch nicht das Ende sein kann, immerhin war ich schwanger geworden - und wir haben noch zwei Versuche innerhalb der nächsten drei Monate gemacht. Ohne Erfolg.

Ich habe mir immer gewünscht, während der ganzen Jahre, dass ich es irgendwann einmal schaffen werde, von dem Wunsch nach einem Kind Abschied nehmen zu können, sollten wir kein Kind bekommen können. Ich wollte nie zu denen zählen, deren Leben darüber zerbricht.

Nach den schlimmen Erlebnissen im vierten Versuch und den darauffolgenden wieder erfolglosen Versuchen, konnte ich einfach nicht mehr. Ich habe für mich selbst festgestellt, dass mein Leben nur noch auf den Wunsch nach einem Kind ausgerichtet war. Ich wurde immer trauriger, lustloser, depressiver. Ich hatte an nichts mehr Freude.

Heute geht es mir wieder gut. Ich habe vorerst Abschied genommen von den Behandlungen und versuche meinem Leben einen anderen Inhalt zu geben. Ich engagiere mich für Tiere, mache die Sachen, die mir Spaß machen, ohne Reue oder schlechtes Gewissen. Ich muss ja nun nicht mehr auf alles achten, was einer ersehnten Schwangerschaft schaden könnte und genieße das Leben wieder. Ich freue mich über die Sonne, wenn Sie scheint, über unseren Hund, den wir uns mittlerweile angeschafft haben und genieße es, wenn ich abends unbesorgt ein Glas Wein mehr trinken kann.

Ich denke einfach, dass es das ist, was zählt im Leben und nicht, ob man ein Kind hat oder nicht. Vielleicht ist man mit Kind auch nicht zufriedener?

Mein Mann und ich genießen momentan ganz bewusst die Freiheiten, die man als Eltern nicht mehr hat und fühlen uns eigentlich ganz wohl dabei. Natürlich kommen immer Momente der Traurigkeit, in denen wir denken: Warum gerade wir? Aber es ist nun mal so und ich möchte trotzdem das Beste aus meinem Leben machen - wenn es sein muss, eben auch ohne Kind.

Ich wünsche allen Betroffenen, dass auch sie irgendwann einmal so versöhnlich Abschied nehmen können von dem Wunsch nach einem Kind wie wir, wobei der Wunsch natürlich nicht wirklich endet. Es werden immer wieder Momente der Trauer und vielleicht auch die der Wut kommen. Wir sollten nur irgendwann lernen zu akzeptieren, dass wir ein Leben ohne Kind führen müssen, ansonsten zerbricht unser Leben daran.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft.
Martina

Wenn Sie Kontakt mit Martina aufnehmen möchten, können Sie ihr unter martina@kinderwunsch-hh.de eine Mail schicken.


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